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Bevölkerungsentwicklung verstehen – Projektionen und Prognosen im Vergleich

Zum Beispiel Schweden

Prognose oder Projektion?

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden – und doch grundverschieden sind.

Prognose

Relative Vorhersage

Eine Prognose geht von einer definierten Ausgangslage und einem angenommenen Entwicklungsverlauf aus und gibt mit einer – mitunter inkludiert – formulierten Eintrittswahrscheinlichkeit zwischen null und hundert Prozent ein daraus resultierendes Ereignis an.

Sie liefert immer ein formal-logisch betrachtet sinnvolles Ergebnis.

Macht Aussagen über Wahrscheinlichkeiten
Projektion

Modellhafte Fortschreibung

Eine Projektion schreibt nur einen Trend von einer vollständig definierten Ausgangs- und Entwicklungslage fort. Sie ist somit eine modellhafte Berechnung, die mehrere in Konkurrenz stehende Szenarien entwerfen kann.

Das Resultat muss nicht einmal zwingend sinnhaft sein – im Gegenteil: sie kann z.B. darlegen, dass eine bestimmte Entwicklung so nicht über einen gewissen Zeitpunkt hinweg fortlaufen kann. Als reine Fortschreibung kann sie natürlich keine Wahrscheinlichkeiten hantieren.

Keine Wahrscheinlichkeitsaussagen – reine Trendfortschreibung

Ein konkretes Beispiel

Vor einem Jahr: 84 kg → Ernährungsumstellung → heute: 72 kg

84
kg
kg\nvor 1 Jahr
Ernährungs­umstellung
72
kg
kg\nheute
?
kg
kg\nZukunft
a
Prognose hohe Wahrscheinlichkeit

Wenn Sie so weitermachen und nichts Unerwartetes passiert, wird sich Ihr Gewicht in zwei Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit bei 60 kg einpendeln.

Ergo: weitermachen!
b
Projektion Trendfortschreibung

Wenn Sie weiterhin ein Kilogramm pro Monat abnehmen, werden Sie in sechs Jahren nichts mehr wiegen.

Ergo: trotz gleicher Ernährung wird der Gewichtsverlust abgebremst werden und zum Erliegen kommen müssen.

So veröffentlicht das deutsche Statistische Bundesamt jährlich seine Bevölkerungsvorausberechnungen mit zwölf unterschiedlichen Szenarien. Jedoch wird dort niemals behauptet, dass eines dieser Szenarien (oder gar alle gleichzeitig) Realität werden wird; es wird also bewusst auf eine Prognose verzichtet!

Statistisches Bundesamt, 2009

Insofern läuft die häufig geäußerte und nicht begründete Kritik, eine über fünf Jahrzehnte reichende Bevölkerungsvorausberechnung sei praktisch unmöglich – man schaue sich nur die letzten fünf Jahrzehnte deutscher Bevölkerungsentwicklung an – ins Leere.

Eine Projektion wird erst (mitunter in den Händen von Journalisten und Politikern) zur Prognose, wenn behauptet wird, dieser oder jener Fall werde aller Wahrscheinlichkeit nach eintreten. Im Beispiel der Bevölkerungsvorausberechnungen hieße das dann logischerweise: eines der Szenarien – die anderen elf nicht. Und über genau diese Wahrscheinlichkeit macht die Projektion keine Aussage – das unterscheidet sie von der Prognose.

Vielmehr verdeutlicht die Projektion, welche Trends welche Folgen nach sich ziehen können, wenn sich wichtige Parameter – z.B. Fertilität, Lebenserwartung oder Wanderungssaldo – in dieser oder jener Weise entwickeln würden.

Quelle: Sören Padel: Einführung in die Demografie, Berlin, 2023
Projektionen

Planspiele

Zeigen, welche Konsequenzen verschiedene Trends haben würden – ohne zu behaupten, dass einer davon eintrifft.

Prognosen

Relative Vorhersagen

Behaupten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit, welches Szenario tatsächlich eintreten wird.